Im Verbund ergeben sich vielerlei Chancen

21.05.2015 CJD Wissen « zur Übersicht

Wirtschaft: Pläne für ein Aus- und Weiterbildungszentrum Logistik in Wissen sind schon weit gediehen – Infotag im Juni

Quelle: Rhein-Zeitung vom 15.05.2015
Autor: Elmar Herin

Wissen. In Wissen könnte in naher Zukunft ein Wirtschaftsprojekt entstehen, das weithin auf den gesamten Landkreis und darüber hinaus ausstrahlt: ein Aus- und Weiterbildungszentrum Logistik. In den Um- und Ausbau der Räumlichkeiten investiert die Firma Brucherseifer derzeit rund eine halbe Million Euro.  

Das ambitionierte Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mehr noch:  Es zielt darauf, das eine ganze Branche an einem Strang zieht. Momentane Hauptakteure sind die Spedition Brucherseifer, das christliche Jugenddorf (CJD) und die Industrie- und Handelskammer (IHK). Christoph Fischer, Prokurist der Firma Brucherseifer und Sprecher des regionalen Arbeitskreises Schule/Wirtschaft konkretisiert: "Geboren wurde die Idee bei der Abom 2014. Das zunächst eher beschränkte Konzept hat sich gewandelt und ausgeweitet. Jetzt streben wir eine Verbundausbildung an, von der nicht nur unser Unternehmen, sondern alle Firmen der Transport- und Logistikbranche in der Region profitieren können.“ In diesem Sinne sieht sich Fischer als „Impulsgeber“.  

Angesprochen sind sowohl Speditionen und Busunternehmen als auch junge Leute, die zum Beispiel eine Ausbildung als Berufskraftfahrer machen möchten. Fischer: “Mein Wunschtraum wäre ab Sommer 2016 eine Fachklasse Berufskraftfahrer an der Berufsbildenden Schule Wissen.“ Wohnortnähe lautet eines der Stickworte, denn gegenwärtig müssen viele Kraftfahrer-Azubis noch zum Blockunterricht nach Siegen. Die IHK, so Regionalgeschäftsführer Oliver Rohrbach, stehe sowohl dem Aus- und Weiterbildungszentrum als auch dem schulischen Vorstoß positiv gegenüber: „Sobald die Schülerzahl absehbar erreicht wird, werden wir die ADD einschalten.“ Auch die BBS Wissen habe Zustimmung signalisiert.  

Der Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften ist hoch. Gleichzeitig flattern den einschlägigen Ausbildungsbetrieben in der Region, deren Zahl Rohrbach mit 15 bis 20 beziffert, noch genügend Bewerbungen auf den Tisch. Gute Zeugnisnoten spielen dabei nicht unbedingt die Hauptrolle, so Christoph Fischer. Das unterstreicht auch Michael Weißenfels, Leiter des CJD in Wissen und Olpe. Viele Jugendliche schätzen die dreijährige Berufskraftfahrerausbildung falsch ein, die Abbrecherquote sei hoch – völlig unabhängig von einer etwaigen Führerscheinprüfung. An diesem Punkt könne das CJD seine jahrzehntelange Erfahrung in der Stütz- und Förderleistung einbringen. „Eines unsere Ziele sollte es sein, bei jungen Leuten Frustration des Misserfolges zu vermeiden“, sagte Weißenfels und ergänzt, dass die Ausbildungsbetriebe davon nicht zuletzt auch wirtschaftlich profitieren.  

Der Konzeptentwurf sieht vor, im Rahmen der dreijährigen Ausbildung zum Berufskraftfahrer das erste Jahr in Form einer Verbundlösung zu organisieren. Dafür müssten möglichst viele Branchenunternehmen mitmachen. Im Juni, so Rohrbach, es dazu einen Infotag vonseiten der IHK geben.  

Ort für die begleitenden Schulungen und Unterrichtseinheiten soll das frühere Laborgebäude auf dem Werksgelände der Firma Brucherseifer sein. Die Räume waren in den vergangenen Jahren ungenutzt und werden momentan entkernt, saniert und neu zugeschnitten. Die Fensterfront zur Walzwerkstraße hin ist bereits erneuert. Im ersten Stock entstehen ein großer und ein kleinerer Schulungsraum, eine Etage darüber noch einmal vier Einheiten. Alles wird bürogemäß-modern ausgestattet sein.

Christoph Fischer ergänzt: “Die Räume im dritten und vierten Stock, darunter ein großer Saal, dienen nicht nur dem Aus- und Weiterbildungszentrum, sondern sind für jedermann mietbar, etwa für Vorträge, Seminare und private Feiern. Hinzu kommt eine Dachterrasse.“  

Von der Hütte zur Logistik

Das sogenannte Laborgebäude ist ein markanter Teil des früheren Weißblechwalzwerkes in Wissen. Es geht zurück auf die Hüttenwerke Siegerland, die 1952 das Walzwerk übernahm. Dessen Geschichte hat das 1873 gegründete Hochofenwerk Alfredhütte zum Ursprung, welches bereits auf dem Gelände der heutigen Spedition Brucherseifer stand. Das eigentliche Weißblechwerk ging 1912 und erneut 1946 in Betrieb. 1952 wurde die bisherige Betriebsgesellschaft liquidiert und als „Hüttenwerke Siegerland AG“ neu gegründet. Damals hatte das Werk rund 2.300 Beschäftigte. 1969 wurde die AG in die Hoesch AG übernommen, diese wiederum 1985 durch die Krupp AG. Das Werk gehörte bis zu seiner Stilllegung 1995 zum Krupp-Hoesch-Konzern.  Es folgten sieben Jahre Leerstand im Besitz der ThyssenKrupp Immobilien GmbH. 2002 kaufte die Spedition Brucherseifer die gesamte Industriebrache, sanierte alles und nutzt seither die Hallen 1 und 2 zu logistischen Zwecken (Lager).