Flüchtlingsberichte machen betroffen

30.03.2015 CJD Wissen « zur Übersicht

Quelle: Rhein-Zeitung vom 28.03.2015

Autorin: Julia Hilgeroth- Buchner, Rhein- Zeitung

Altenkirchen
Die zwielichtigen Schlepper bezahlte Ali mit den letzten Ersparnissen seines Vaters.
Der hatte den jungen Kurden zur Flucht nach Deutschland gedrängt, weil er im kriegsgebeutelten Syrien keine Zukunft mehr für seinen Sohn sah. Mustafas Odysee führte unter unmenschlichen Umständen von Afghanistan über die Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich- einmal war er mit vier Menschen 35 Stunden lang ohne Wasser in der Schlafkoje eines LKW eingesperrt. Die beiden Jugendlichen hatten Glück: Nach monatelanger Reise mit ungewissem Ausgang landeten sie im Christlichen Jugenddorf Wissen (CJD) wo sie als "umF" ("unbegleitete minderjährige Flüchtlinge") ein Zuhause auf Zeit fanden. Am Donnerstag nahmen die jungen Männer an einer Expertenrunde zur Flüchtlingsproblematik teil, die innerhalb der "Inerntionalen Woche gegen Rassismus" in der evangelischen Landjugendakademie (LJA) stattfand.
Die Veranstaltung gab einen praxisnahen Einblick in die brisante Lage der 51 Millionen Flüchtlinge weltweit, ging aber auch auf die Probleme und Chancen vor Ort ein. Gemeinsam mit Ali Dachti und Mustafa Joya informierten Kirsten Liebmann vom Psychosozialen Zentrum der Altenkirchener Diakonie, der Integrtionsbeauftragte des Kreises, Wolfgang Runkler, Philipp Schicht (Referent für jugendpolitische Bildung in der LJA) und Yannick Musim als Mitarbeiter des CJD über das Schicksal der Neuankömmlinge. Während Wolfgang Runkler die Situation im Kreis Altenkirchen schilderte und auf die Schwierigkeiten einer menschenwürdigen Unterbringung hinwies ("von 15 000 bis 20 000 Menschen, die in diesem Jahr Asylantrag in Rheinland-Pfalz stellen, werden 650 in den Kreis Altenkirchen kommen"), beschrieb Kirsten Liebmann, wie lebenspraktische Hilfen vonseiten der Diakonie aussieht.
Yannick Musim berichtete von der Hilfslosigkeit der unter Kulturschock stehenden jungen Menschen. Sie trügen schwer an nicht vorhandenen Sprachkenntnissen, aber auch am persönlichen Schicksal.
Die Diskussion fokussiere auf als zu kompliziert empfundene behördliche Abläufe, zeigte aber auch, dass es bereits gute Ansätze zur Integration gibt ("Flüchtlingshilfe Flammersfeld", Sprachkurse).
Als wichtige Ziele wurden die verstärkte Einrichtung von Begenungsstätten und die Unterstützung Ehrenamtlicher fomuliert.