Das CJD - Die Chancengeber CJD Wissen

Zum Frühstück Flüchtlingssituation serviert

21.02.2017 CJD Wissen « zur Übersicht

Christliches Jugenddorf hatte eingeladen

In jeder Kultur, in jeder Religion und Weltanschauung spielt das gemeinsame Essen eine wichtige Rolle. Es drückt Miteinander, Friedfertigkeit, Einkehr und Gastfreundschaft aus. In diesem Sinne war das Gebetsfrühstück im Christlichen Jugenddorf Wissen eine wertvolle Zeit. Mehr noch: Die geistige Nahrung, hier die Beschäftigung mit der Situation von Flüchtlingen im Kreis, verlieh den Speisen und Getränken einen zusätzlichen Mehrwert.

Zum zweiten Mal hatte das Christliche Jugenddorf Wissen (CJD) zu seinem Gebetsfrühstück eingeladen. Rund 40 Vertreter aus Politik (Arbeits-)Verwaltung, Kirche und Polizei trafen sich bei Kaffee und Tee, bei Croissants und Müsli; vervollständigt wurde die Runde durch Freunde und Mitarbeiter des CJD. Bestnoten verdienten sich die Auszubildenden aus dem CJD-Bereich Hauswirtschaft für die perfekte Vorbereitung und den Service.

Nach der Begrüßung durch Einrichtungsleiterin Annette Kexel und ihrem Kollegen Uwe Reinhardt (Abteilungsleiter Berufliche Bildung) veredelte Klaviermusik von Anna Keck (Kreismusikschule) die Momente der Einkehr. Danach stellte Wissens evangelischer Pfarrer Marcus Tesch sehr berührende Worte aus der Erlebniswelt eines Flüchtlings in Bezug zu einer Bibelstelle aus dem Lukas-Evangelium (17, 11-19) und zu möglichen Begegnungen von Christen und Muslimen im Hier und Jetzt. „Undankbarkeit ist der Humus für Fremdenfeindlichkeit“, lautete eine der Schlussfolgerungen des Pfarrers.

Uwe Reinhardt und sein Kollege Ullrich Döring stellten kurz die Arbeit und Kooperation des CJD vor, skizzierten die Entwicklung der stationären Jugendhilfe, bevor speziell die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in den Mittelpunkt rückte. Seit 2012 widmet sich das CJD dieser Arbeit, heute hält die Einrichtung dafür 24 Plätze bereit. Dass auf diesem Weg Integration gelingen kann, dafür legten zwei junge Männer eindrücklich Zeugnis ab. Dachti Ali aus Syrien und Mustafa Joya aus Afghanistan schilderten den mühsamen, aber am Ende erfolgreichen Neubeginn beim CJD. Beide sind heute im begleitenden Dienst des CJD beschäftigt, stehen anderen jungen Flüchtlingen helfend zur Seite, etwa als Dolmetscher. Beide hoben hervor, wie wichtig es sei, die deutsche Sprache zu lernen, und betonten, mit der jetzigen Tätigkeit beim CJD gehe einer ihrwer größten Wünsche in Erfüllung: „Den Menschen etwas zurückgeben.“  

Aus Sicht der Kreisverwaltung und aus  Sicht der ehrenamtlichen Helfer beleuchtete Kreisbeigeordneter Günter Knautz die Flüchtlingssituation. Bei den Zahlen der zugewiesenen Asylbewerber habe der Kreis binnen weniger Jahre eine enorme Zunahme zu verzeichnen gehabt. Waren es 2013 noch insgesamt 125 Flüchtlinge, so kamen 2014 bereits 288, 2015 schon 1103 und 2016 führte ihre Flucht noch 720 Menschen in den Kreis. Zusätzliche Herausforderungen entstanden durch die AfA Stegskopf. Von hohem Wert sei dort der Einsatz des Roten Kreuzes und der mehr als 400 ehrenamtlichen Helfer gewesen.

Ohne rosa Brille schilderte Knautz, wie beschwerlich und zeitraubend die freiwillige Arbeit mit den Menschen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Eritrea und anderen Ländern sein kann (etwa bei Patenschaften). Oft sei die Sprache ein Hemmnis. Deshalb appellierte er an die aufmerksam zuhörenden Behördenvertreter: „Habt ein wenig Geduld.“ Denn nach Ansicht des Kreisbeigeordneten bleiben die Herausforderungen auch in nächster Zukunft bestehen: „Das sind alles keine Selbstläufer, und es hört auch nicht auf.“

Gleichwohl appellierte Knautz an di eMenschen im AK-Land, dass sich noch mehr von ihnen auf diesem Feld engagieren mögen: „Das ist unbedingt notwendig, wenn Integration gelingen soll.“ Kritische Worte richtete der Kreispolitiker an die Nationen Europas. Erst habe man sich jahrelang hinter dem Schengen-Abkommen versteckt, jetzt sehe man den Grenzschutz als Lösung. Aber:“ Mauern und Zäune halten niemanden auf und lösen auch keine Probleme“, schloss Günter Knautz.

24 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hält das CJD Wissen bereit. Aktuell hat der Kreis dort 21 junge Menschen untergebracht.  

Quelle Rhein-Zeitung
Text und Foto: Elmar Hering